Matrosenbrief
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Schiffsjunge (Moses), Jungmann, Leichtmatrose
und
Matrose in der Seeschifffahrt, mit Brief


...dies sind die einzelnen Ausbildungsabschnitte welche man durchläuft wenn man den Beruf des Seemannes heutzutage erlernt. Hört sich toll an oder? Aber wie kam es dazu:
Damals, als ich noch jung war und Schule nicht so wichtig, wollte ich mir unbedingt die Welt anschauen. Das Problem war: Ich hatte keine Kohle. Also blieb nur eins, ich heuerte auf einem Schiff an. Nebenbei machte eine Ausbildung zum:
  Matrosen in der Seeschifffahrt. (Schiffsmechaniker)

Dass hört sich im ersten Moment etwas befremdend an ist aber eigentlich ganz einfach. Man lässt sich vom Arbeitsamt ein paar Adressen von Reedereien geben die ausbilden und schickt seine Bewerbung hin und los geht's.
Bevor man aber auf ein Schiff kommt muss man einen 3 monatigen Sicherheitskurs auf der
Seemannsschule Werft und Hafen absolvieren. Die Schule liegt mitten auf dem Kiez (auf St.Pauli) in Hamburg und allein deshalb ist das mit keiner normalen Berufsschule zu vergleichen. Dort lernt man dann die ganze Seemannschaft in der Theorie kennen. Die Ausbildung ist sehr vielseitig. Das geht vom Knoten und Spleißen über Navigation, Schiffs- und Maschinentechnik, Metall und Holzverarbeitung bis hin zu Feuerschutz- und Notfallübungen mit  pullen und steuern in einem Rettungsboot.

Mein erstes Schiff, die MS OLDENBURG


Danach geht's dann als Schiffsjunge (Moses) auf einen RICHTIG GROßEN Dampfer für 8 Monate am Stück. Ich hatte Glück und kam  noch auf ein Stückgutschiff, eines der  Letzten, welches damals noch unter deutscher Flagge lief.  Richtig mit alten Ladebäumen und OHNE Container. Das hieß, wir hatten noch lange Liegezeiten in den Häfen. Auf dem Schiff selbst setzt man das vorher theoretisch gelernte in die Praxis um. Auf See geht man Wache. Auf der Brücke hilft man bei der Navigation und steht am Ruder um diesen großen Pott unter Anleitung eines Lotsen in den Hafen zu bekommen. Im Hafen wird der Lade und Löschvorgang überwacht und man hält das Schiff instand und auf Vordermann. Abends geht man dann noch ein Bier trinken in dem Hafen wo man gerade ist. Übrigens das mit dem Seemannsgarn ist alles Quatsch ... DAS STIMMT ALLES !
Nach dieser Zeit geht man nochmals 3 Monate auf die Seemannsschule und macht dann eine Zwischenprüfung. Nun geht man als
Jungmann noch mal für ein halbes Jahr auf ein Schiff und im letzen Ausbildungsabschnitt als Leichtmatrose. Diesmal war es ein Containerdampfer. Das war nicht mehr so lustig weil die Liegezeiten zeitlich genau abgestimmt waren. Morgens in den Hafen rein und mittags oder abends wieder raus. Da war nix mehr mit Bier trinken nach Feierabend an Land. Dies gab auch den Ausschlag dafür, dass ich nach der Ausbildung wieder eine Landratte wurde.
Zum Schluss waren dann noch mal 3 Monate Seemannsschule angesagt mit Prüfungen und Erhalt des Matrosenbriefes. Die Abschlussparty fand natürlich auf dem Kiez in Hamburg statt! 

Fazit: Eine sehr aufregende Zeit. Ich würde es wieder tun !!!


Link zu meiner Ausbildungs-Reederei  :  http://www.opdr.de